Raumableitung    
Bellevue-Saal
November 2009
Wiesbaden, Deutschland
 
 

 

 

 

Raumableitung geht aus dem gegebenen architektonischen Raum hervor. Eine Fußleiste, der Boden, eine Tür, die Fensterfront und ein Stuhl werden "abgeleitet", so dass der Besucher zu anderen Auffassungen der architektonischen Elemente geführt wird.

 

Die Bodenleisten, welche wie eine Linie den Saal umrahmen, lösen sich an einem Punkt von der Wand und durchqueren unabhängig den Raum, bis sie in der angrenzenden Wand mit der Zickzack Bewegung einer imaginären Treppe in ihr verschwinden. Der Betrachter wird mit der unbehandelten befleckten Rückseite einer Leiste empfangen. Erst wenn er sie überschreitet, zeigt sich ihre geschliffene und gestrichene Seite. Da normalerweise eine Leiste an einer Wand anliegt, erweckt diese Ableitung die Vorstellung einer Mauer, die sich quer durch den Raum zieht.

 

Aus einer Zeichnung, die von Kandinsky inspiriert scheint, welche den Boden wie eine Haut mit Narben zeigt, entstand eine Fotografie eines Stücks Parkettbodens. Maßstabsgerecht und naturgetreu wiedergegeben, überquert sie im rechten Winkel leicht abgehoben und gedreht die Bodenleiste. Die Verdoppelung der Bodenansicht regt den Betrachter zum Vergleichen an. Die Spuren der künstlerischen Ausstellungen der letzten Jahre werden augenfälliger. Die Aufmerksamkeit des Besuchers richtet sich automatisch auf die Kratzen und Flecken des Holzbodens. Nach dem Abbau der Ausstellung wurde der Boden abgeschliffen und lackiert, womit die Spuren der Zeit verwischt sind.

 

Eine Holztür neigt aus der hinteren Wand heraus. Die Form, die eine gleichgroße Kopie der echten existierenden Tür nebenan ist, hat ihre Funktion als solche verloren. Der Besucher fragt was sich hinter der nicht aufgehenden Tür verbirgt.

 

Alle Fenster des Saales sind nach Norden ausgerichtet. Dadurch gibt es keine direkte Sonneneinstrahlung in den Saal. Die drei liegenden Plexiglasscheiben auf dem Holzboden stehen für das gebündelte Licht eines Fensters. Ein solcher Lichteinfall wäre nur möglich, wenn der Saal anders ausgerichtet wäre.

 

Das fünfte Element der Ausstellung wird nicht direkt vom Raum abgeleitet. Die Gipsform ist die Verfestigung des Schattenwurfes eines Stuhles auf einen Boden, der in eine Wand übergeht. Die Anwesenheit des Schattens macht die Abwesenheit des Objektes augenfällig. Die Skulptur bezieht sich auf den ursprünglichen Gebrauch der Galerie als Speisesaal des im 19. Jahrhundert gegründeten Hotels Bellevue. Der Zwischenraum, der zwischen der Plastik und der Leiste entsteht, entspricht derjenigen der imaginären Mauer.

 

Die Aufmerksamkeit des Besuchers richtet sich nicht nur auf die abgeleiteten Elemente sondern auch auf die Existierenden. Der architektonische Raum ist Teil des Werkes.

Cover

 
Panoramica
 
Boden
600

Sonneneinfall

 
Tuer
   

Raumableitung

Holz, Gips, Fotografie, Plexiglas

4.5 x 7 x 19.5 m

2009

Edgar-Tür
 
 
 
Verfestiger Schatten aus Gips
     
 
Verfestigter Schatten und imaginäre Wand
 
     
 

"Kandinsky"-Zeichnung

Bleistift auf Papier

27.9 x 21 cm

2009

    Kandinksy-Zeich